You are not logged in.

  • Login

Medivh

Moderator

Date of registration: Mar 25th 2004

Posts: 1,162

Gender: male

1

Wednesday, August 17th 2005, 4:09am

mal die andere Seite

irgendwie erschreckend wegen seines Glaubens heutzutage noch solche Repressalien erleiden zu müssen Oo

[URL=http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,369287,00.html]Klick mich[/URL]

aus dem Spiegel

CHINA

Feldzug gegen Jesus Christus

Von Annette Langer

In Zeiten von Wirtschaftsboom, Korruption und Willkür konvertieren immer mehr Chinesen zum Christentum. Doch die Suche nach spiritueller Heimat hat ihren Preis: Verhaftungen, Folter und gewaltsame Übergriffe sind an der Tagesordnung. Jetzt gerieten auch zwei amerikanische Theologiestudenten in die Fänge der Polizei.

Hamburg - Es ist ein denkbar friedliches Szenario: Zwei Jungtheologen treffen sich mit protestantischen Glaubensbrüdern zum Gottesdienst. Sie beten, diskutieren, tauschen Erfahrungen aus. Doch dann stürmen Dutzende Polizisten das als Kirche dienende Haus, legen den beiden Seminaristen Handschellen an und schleppen sie zum Verhör in ein Hotel. Sieben Stunden lang werden die Studenten des Westminster Theological Seminary ausgefragt, dann entlässt man die US-Amerikaner ohne weitere Erklärungen - nicht ohne zuvor persönliche Gegenstände wie Notebooks, Bücher und Bibeln konfisziert zu haben. Die beiden Presbyterianer erklären später, sie seien grob behandelt und einer von ihnen leicht verletzt worden. Die Polizei habe ihnen untersagt, die US-Botschaft zu kontaktieren.

"Unschuldige amerikanische Touristen in Handschellen abzuführen ist ein beispielloser und völlig unakzeptierbarer Vorgang, der diplomatisch strengstens verurteilt werden muss", empörte sich Bob Fu von der in Texas ansässigen christlichen Hilfsorganisation "China Aid Association" (CAA). Dabei erging es den 41 einheimischen Pastoren und Gemeindemitgliedern der verbotenen Südchinesischen Kirche, die ebenfalls auf dem Treffen vom 2. August festgenommen wurden, noch schlechter: Sie wurden sofort in das Gefängnis Nummer 2 der Stadt Zaoyang in der Provinz Hubei gebracht. Mehrere Gefangene seien hier gefoltert und geschlagen worden, erklärt der CAA-Vorsitzende Fu. Augenzeugen hätten berichtet, dass der Gefängnisdirektor selbst eine 66-Jährige getreten, ins Gesicht geschlagen und ihren Kopf gegen die Wand geschleudert habe.

"Umerziehung durch Arbeit"

CAA zufolge war dies kein Einzelfall: Seit dem vergangenen Monat sollen landesweit insgesamt 210 Angehörige der illegalen protestantischen Hauskirchen festgenommen worden sein. Auch Amnesty International beklagt, dass 2004 vermehrt Mitglieder regierungsunabhängiger evangelischer und katholischer Gruppierungen verhaftet wurden. Die sogenannte Administrativhaft erlaubt es chinesischen Behörden, Verdächtige bis zu drei Jahren ohne Anklageerhebung und Prozess in Arbeitslagern gefangen zu halten - und dort sind Misshandlungen und Folter keine Ausnahme.

Eine Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland erklärte, es gebe "Nervositäten" zwischen der chinesischen Regierung und den Hauskirchen evangelistischer Prägung. "Vor allem die amerikanischen Missionsbewegungen werden kritisch betrachtet, weil die Behörden eine politische Unterwanderung fürchten", sagte Cornelia Coenen-Marx SPIEGEL ONLINE. Gewaltsame Übergriffe auf Christen kämen in der Regel vor allem in der Provinz vor und würden von offiziellen Stellen "durchaus bedauert", weil die eigentliche Vorgabe sei, sich liberal gegenüber christlichen Gruppierungen zu verhalten.

Kampf dem Kult

Trotz des Risikos, verfolgt, misshandelt und zu hohen Geld- oder Gefängnisstrafen verurteilt zu werden, bekennen sich geschätzte 40 bis 70 Millionen Chinesen zum evangelischen Glauben - davon sind etwa zehn Millionen Mitglied der offiziellen evangelischen Kirche, der "Patriotischen Drei-Selbst-Bewegung". Monika Gänßbauer von der Hamburger China-Infostelle bestätigt das rasante Wachstum vor allem der protestantischen Gemeinden in der Volksrepublik und spricht von einem wahren "Christentum-Fieber": "Die evangelischen Christen sind nicht nur stark missionarisch tätig, sie arbeiten auch vorrangig karitativ und stärken dadurch den Zusammenhalt in den Gemeinden", so Gänßbauer, die China seit Jahren besucht und zahlreiche Gespräche mit Vertretern des Nationalen Christenrates geführt hat.

Mit Argwohn beobachtet die kommunistische Regierung die derzeitige Renaissance katholischer wie protestantischer Lehren im Reich der Mitte - und geht immer wieder massiv gegen jene vor, die sich einer Mitgliedschaft in den offiziellen Kirchen verweigern. Um dem Treiben der "Ketzer" und "Kult-Anhänger" ein Ende zu setzen, sitzen in sämtlichen Stadtverwaltungen Vertreter nationaler Religionskomitees, die massiven Druck auf die Gläubigen ausüben. Nur Gemeinschaften, die sich offiziell im Register eintragen lassen, dürfen ihren Glauben überhaupt praktizieren. Ihre Führer werden nicht frei gewählt, sondern von den Behörden offiziell zur Kandidatur zugelassen. Auf regelmäßigen Treffen werden die Gemeindevorsteher dann von den Religionswächtern darüber in Kenntnis gesetzt, welche Politik sie im Umgang mit den Gläubigen zu verfolgen haben.

Kein Wunder also, dass viele es vorziehen, sich in inoffiziellen Gruppierungen zusammenzuschließen. Hunderte Angehörige dieser Untergrundkirchen sollen sich zur Zeit noch in Polizeigewahrsam befinden. Vor allem die Mitglieder der verbotenen Südchinesischen Kirche sind dabei im Visier der Behörden. Die Organisation hat etwa 50.000 Mitglieder, die in zehn Provinzen in Ost- und Zentralchina für ihr in Artikel 36 der chinesischen Verfassung garantiertes Recht auf Glaubensfreiheit kämpfen.

Moderne Märtyrer

Der Gründer der Kirche, Pastor Gong Shengliang, wurde bereits im Dezember 2001 von einem Gericht in Jingmen zum Tode verurteilt. Der Vorwurf: Er habe sich seines Glaubens bedient, um geltende Gesetze zu umgehen. In einer geheimen Verhandlung befand man Shengliang zudem der Beihilfe zur Vergewaltigung und der 14-fachen Körperverletzung während eines Gottesdienstes für schuldig.

Um die mutmaßliche Vergewaltigung gegenüber dem Gericht vertreten zu können, nahm die Polizei Berichten von Menschenrechtsorganisationen zufolge mehrere weibliche Mitglieder der Südchinesischen Kirche fest. Die jungen Frauen seien so lange getreten, geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und sexuell missbraucht worden, bis sie gegen ihren Kirchenführer aussagten. Sie widerriefen später ihre erpressten Geständnisse und wurden in Arbeitslager geschickt.

Auf massiven internationalen Druck wandelte die chinesische Regierung Shengliangs Todesstrafe in eine lebenslängliche Haftstrafe. Als seine drei Schwestern ihn im Hongshan-Gefängnis in der Stadt Wuhan (Provinz Hubei) besuchten, habe der durch Misshandlungen stark geschwächte Pastor nicht laufen können und sei von vier Mithäftlingen in den Besucherraum getragen worden, heißt es in einem Bericht der Uno-Menschenrechtskommission. Eine der Schwestern habe sich daraufhin bei dem Gefängnisdirektor über den Zustand des Pastors beschwert. Der Direktor gab zu, dass Shengliang sich zwar mustergültig verhalten, aber auch partout geweigert habe, seinem christlichen Glauben abzuschwören und das Beten und Predigen zu unterlassen. Bei seinen zahlreichen Verhören trug der Geistliche so schwere Verletzungen davon, dass er auf Grund innerer Blutungen Anfang Juni 2003 vorübergehend ins Koma fiel.

Wenn der Feind zum Freund wird

Trotz solcher dramatischen Fälle versucht Maren von der Heyde, Asienreferentin und stellvertretende Direktorin des Evangelischen Missionswerks in Deutschland, den Fokus auf die Fortschritte in Sachen Menschenrechte zu lenken: Nicht in allen Regionen Chinas seien Protestanten von Verfolgung bedroht: "In einigen Provinzen werden sie sogar durch wohl gesonnene Staatsbeamte vor Zugriffen geschützt", erklärt die Pfarrerin. Viele Parteigenossen seien durch den großen Zulauf zu christlichen Konfessionen verunsichert, andere hingegen würden diesen begrüßen, weil der Ethos innerhalb der Gesellschaft - sei er konfuzianischer oder marxistischer Art - verloren gegangen sei. "Die Wirtschaft ist absolut liberalisiert, Korruption und nackter Überlebenskampf beherrschen den Alltag. Da sind einige Verantwortliche froh, wenn die moralischen Leerstellen gefüllt werden", so die Theologin.

Vertreter der staatlichen Religionsbehörden hätten ihr gegenüber ohne Umstände Menschenrechtsverletzungen zugegeben. Man versuche jedoch, neue gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, um solche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. "Die schrittweise Erweiterung von privaten Klagemöglichkeiten ist für mich ein Hinweis darauf, dass die Behörden zumindest versuchen, ihren Bürgern vermehrt Individual- und Zivilrechte einzuräumen. Das ist bei aller Kritik und Vorsicht, die dem Parteistaat gegenüber angebracht ist, ermutigend."

"Was die bürgerlich-politischen Rechte des einzelnen betrifft können wir in den vergangenen 20 Jahren keine grundsätzliche Verbesserung feststellen", kontert China-Experte Dirk Pleiter von der Gefangenenhilfsorganisation Amnesty International. Noch immer seien unfaire Gerichtsverfahren an der Tagesordnung, müssten Regimekritiker mit Folter und Todesstrafe rechnen. "Es gibt Unterschiede in der Intensität der Menschenrechtsverletzungen oder Veränderungen bei den Opfergruppen - die Instrumente der Unterdrückung sind die gleichen geblieben."
Wenn du dich mit dem Alkohol einlässt verändert sich nicht der Alkohol, der Alkohol verändert dich!
  • Go to the top of the page

Elen

Elbenkriegerin

Date of registration: Dec 23rd 2003

Posts: 2,982

2

Wednesday, August 17th 2005, 9:08am

wenn ich sowas höre, krieg ich eine riesenwut. die menschen packen's wohl nicht, einfach mal zu akzeptieren, wenn einer anders ist als sie selbst.
zum kotzen.
  • Go to the top of the page