Ok, aber weiter. Also die Anwendungen begannen bei mir meistens so gegen 8, manchmal früher oder auch später. An Anwendungen standen bei mir auf dem Plan (mal gucken, ob ich noch alles zusammenbringe): Wassergymnastik, Muskelentspannung, Massage, Rotlicht, Lichttherapie, Essen & Verhalten, Sport & Spiel, Musiktherapie Einzel, Musiktherapie Gong, Stimmung & Aktivierung, Qi-Gong, Lehrküche und eben Einzelgespräche. Ja, denk das war alles, jedenfalls fällt mir grad nix mehr ein ^^’’
Hm, denk ihr wisst nicht, was man da überall so machen musste, oder? Also erklär ich die mal son bisschen. Also was Wassergymnastik is, weiß glaub ich jeder. Bei der Muskelentspannung mussten wir uns auf ne Matte legen, dann hat ne Schwester vorgelesen, welche Körperteile man anspannen soll und dann wieder entspannen. Weil man die Augen schließen sollte und ich eh immer so müde war, bin ich total oft dabei eingeschlafen >_>
Massage dürfte auch allen klar sein. Ja.. Rotlicht ^^’’ hört sich verdächtig an, wars aber nicht, ähem.. +räusper+ Also ich musste nur den Oberkörper freimachen und auf ner Liege liegen und wurde von warmen roten licht angestrahlt, das dauerte etwa 20 min. Was genau das bewirken sollte, weiß ich aber bis heute nicht ^^’’
Also Lichttherapie.. ich musste mich vor ne Lampe setzen und da alle 2-3 min fürn paar Sekunden reingucken. Hab dann immer nebenher gelesen. Ja und das sollte die Stimmung aufhellen und die Müdigkeit verscheuchen. Gemerkt hab ich davon allerdings auch nich wirklich was ^^’’
„Essen & Verhalten“ war ne Gruppe. Die haben uns dort eigentlich nur zugelabert, was gesund ist, wann man essen sollte und so was. Also mir haben sie halt nix neues erzählt. Die meisten Leute die dort waren, hatten auch keine „richtige“ ES, die meisten essen einfach unregelmäßig und dann zuviel und so und waren deswegen auch meist fett (will nich damit sagen, dass so was keine ES sein kann, sondern einfach, dass na ja.. meine Mutter hätte genauso dahin gehen können, weil sie dick ist und oft unnötige Sachen zwischendurch isst und so halt, aber wenn man ihr sagen würde, sie hätte ne ES, würd sie sagen, ich spinn… bäh, versteht ihr, wie ich’s meine? :/ ). Naja, die wollten halt alle abnehmen. Außer mir gabs noch ne andere Bulimikerin, Anorektikerinnen gabs keine. Außerdem waren wir nur Frauen in der Gruppe.
„Sport & Spiel“ war eigentlich so ähnlich wie Schulsport. Wir haben mal Hockey, Federball, Tischtennis oder Basketball gespielt.
In der Musiktherapie Einzel haben wir eigentlich nur geredet. Meist über meine Familie. Das war neben den Einzelgesprächen halt noch irgendwie die einzige Psychotherapie, die ich hatte. Die Musiktherapie hatte ich aber auch nur 3mal.
Ja.. die Musiktherapie Gong war wieder so ne Sache für sich… Das war ne Gruppe von etwa 5-6 Leuten. Die Gong-Gruppe fand zweimal die Woche statt und dauerte jedes Mal 2h. Also dienstags mussten wir uns zuerst auf Decken legen und die Augen schließen und die Therapeutin spielte dann etwa 30 min lang Instrumente vor (Harfe, Gong und Trommel). Dann hatten wir ca 45 min Zeit das, was wir während der 30 min erlebt haben, zu malen. Ich hab da nie was erlebt und hab immer das gemalt, was mir sonst so durch den Kopf gegangen ist. Nach dem Malen musste jeder erklären, was er gemalt hatte und was es bedeutete. Naja und dann waren 1 ½ Stunden rum und wir hörten meist auf. Dann bei der zweiten Runde donnerstags, musste immer einer sein Bild vertonen. Zum Glück hat sich die 3 Male, wo ich dabei war, dann immer jemand freiwillig gemeldet, weil ich das nich machen wollte. Hätte sich keiner gemeldet, hätte man ausgelost. Also derjenige musste dann erstmal das ganze Musikzimmer umgestalten, sprich irgendwas darstellen. Also sich ne kleine Kuschelecke machen und überall im Raum Rosenblätter, Muscheln oder so was verteilen und son Käse. Dann musste er für die anderen Musikinstrumente aussuchen, die sie spielen sollten und sagen, was genau sie darstellen, also z.B. „meine innere Ruhe“, dazu musste derjenige dann in die Rolle schlüpfen und sagen „Ich übernehme die Rolle deiner inneren Ruhe“. Als da dann jeder dran war, musste er noch sagen, wie sie spielen sollten, langsam, laut, etc. und wer anfangen und wer wann wieder aufhören sollte. Wenn das dann alles geklärt war, hat er sich in diese Kuschelecke gelegt/gesetzt, wie man wollte und die anderen haben angefangen zu spielen. Nach etwa 20 min war das dann fertig. Dann wurde nachgefragt, was derjenige dabei alles empfunden hat und so und wie es für die anderen war. Das alles dauerte insgesamt auch wieder 1 ½ Stunden.
„Stimmung &Aktivierung“ war eine von den Gruppen bei denen ich sagen würde, dass die das total falsch angehen… Also das war ne ziemlich große Gruppe (ca 20 Leute) über Depressionen und eigentlich wurde die ganze Zeit nur erklärt, WAS Depressionen sind. Symptome, wann sie auftreten, wie oft, blabla. Ich mein, das war so was von sinnlos.. jeder, der in der Gruppe war, wusste doch selber, was das ist, sonst wäre er ja nich da. Ich mein, die hatten ja alle Depressionen.. die hätten dort dann lieber erzählen sollen, was man dagegen tun kann und so. +Kopfschüttel+
Naja, in der Qi-Gong Gruppe wurde halt Qi-Gong ausgeübt ^^’’ weiß nich, wie ich das genau erklären soll. War halt so ne komische Entspannungs (?? Fands alles andere als entspannend…)-Übung aus China. Naja, aber nachdem ein Patient, der 30 Jahre lang Qi-Gong machte, sagte, dass die das völlig falsch machen würden, ging irgendwie kaum noch einer zu der Gruppe ^^’’
Joa und in der Lehrküche ham wir halt gekocht. Waren ganz gute Rezepte dabei, vor allem recht kalorienarm halt.
So, das waren so meine Anwendungen. Und jetzt sagt mir bitte, wo die mir groß bei der Bulimie und dem SvV hätten helfen sollen >_>
Sobald ich meine Koffer bekomme, kann ich euch ja mal nen Wochenplan reinstellen, hab mir die nämlich aufgehoben.
Hm ja.. was müsste ich noch erzählen.. also die Leute dort (also die Patienten) waren total nett. Blöd war halt nur, dass da wirklich so gut wie nur alte Leute waren oder eben welche im 30er und 40er Bereich. In meinem Alter waren 2-3 Leute da, aber die waren dann nach ca ner Woche wieder weg. Daher war ich eigentlich die meiste Zeit allein. Klar, am Essenstisch oder so hat man schon mal n paar Worte gewechselt, aber so richtige Freunde eben hab ich dort nicht gefunden.
Hm ja.. die einzigen Lichtblicke waren jedes Mal die Wochenenden, wenn ich Besuch bekommen hab ^^
Hm ach ja.. also Sport konnte man dort natürlich auch machen. Es gab ein Schwimmbad (nicht sehr groß) und nen Trainingsraum mit Ergometern und Ergocrossern. Schwimmen konnte man immer ab 19 Uhr und den Trainingsraum konnte man immer benutzen. Also Ergometer sind diese Fahrräder und Ergocrosser sind solche stepperähnliche Geräte. Anfangs war ich immer auf dem Ergometer, aber nach ner Woche dann nur noch auf dem Ergocrosser, weil der 5mal so viele Kalos verbraucht hat. War dann immer jeden Tag 45 min schwimmen und 50 min auf dem Ergocrosser. Am WE hab ich aber nix gemacht, weil ich da immer Besuch hatte.
Joa.. jetzt gehen mir aber die Ideen aus, was ich noch erzählen könnte ^^’’ von daher.. wenn noch Fragen sind oder euch was interessiert, dann fragt einfach.
Ach ja, mein Fazit: Die Klinik war Zeitverschwendung. Es hat mir rein gar nix gebracht, außer dass ich viel Sport gemacht hab und abgenommen hab.
"Wir lernen, unseren Körper wie ein ungezogenes Kind zu behandeln, dessen Wünsche überhaupt nicht zur Debatte stehen. Wir verurteilen unseren Körper, ignorieren ihn, machen ihn lächerlich, quälen ihn."