[Sachbuch] Marilee Strong - A bright red scream
„You tell some people. They say you’re manipulative, attention seeking. You believe it. Only serves to make you feel worse. Some people think you’re sick, you’re weird. One or two may understand, but they’re still wary, still shocked by it. Some think you’re suicidal. You’re not. Cutting is not attention seeking. It’s not manipulative. It’s a coping mechnanism – a punitive, unpleasant, potentially dangerous one – but it works. It helps me coping with strong emotions that I don’t know how to deal with. Don’t tell me I’m sick, don’t tell me to stop. Don’t try to make me feel guilty – that’s how I already feel. Listen to me, support me, help me.“
„A bright red scream“ befasst sich auf für mich bis dato ungewöhnlich behutsame und zugleich schonungslose Art mit SVV jeglicher Art – vom Ritzen über Essstörungen bis hin zu der Frage, inwiefern denn jede Art von Körperveränderungen (Piercings, Tattoos, Scarifications usw.) eigtl. auch unter diesen „Hut“ passen.
Marilee Strong ist Journalistin, die sich sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt hat und daher auch einiges an Studien und ähnlichem parat hat. Anhand von Einzelschicksalen konfrontiert sie gerade auch „Außenstehende“ sehr schonungslos und unmittelbar mit der Materie und hat profunde psychologische Erklärungsmuster parat, die sie der Zusammenarbeit mit Armando Favazza verdankt, einem amerikanischen Psychiater. Alles in allem sehr einfühlsam (Ich hab mich sehr gut wieder gefunden in vielen Beschreibungen.), aber auch ziemlich kritisch (Z.B. die Frage, wieso Selbstverstümmelung gesellschaftlich anerkannt ist, wenn es sich um Brustvergrößerung handelt, geduldet wird, wenn es Piercings oder so was sind, aber so oft negiert wird, wenn es sich um SVV-Narben dreht. )
Nun…ich weiß, einige werden vllt. meckern, aber das Buch ist bisher nur auf Englisch erschienen. Ist aber vergleichsweise gut zu verstehen, wenn man sich an einiges Fachvokabular gewöhnt hat. Zudem muss über den psychoanalytischen Einschlag, den einige ihrer „Erklärungen“ haben, ein bisschen großzügig hinweg sehen. Also, harte Kost, aber für Betroffene wie für Freunde, Angehörige usw. echt zu empfehlen.
Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht,
kann er frei seine Flügel entfalten
und die Stille der Sterne durchspalten, -
denn er muss meine einsame Nacht
nicht mehr die ängstlichen Hände halten -
seit mein Engel mich nicht mehr bewacht.
(Rilke, Engelslieder)